Band 3 – Hitzeschlacht

Hitzeschlacht

„Plop!“
Das Geräusch eines Wassertropfens kündigte an Tabeas Mac immer eine Mail an. Sie ließ sich allerdings nicht stören und bearbeitete seelenruhig das Foto weiter, bevor sie erst  Minuten später in das Mailprogramm wechselte.
„Till Winter“ sprang ihr der Absender sofort ins Auge. Tabea wurde heiß, gleichzeitig stieg der Frust in ihr auf, der in den letzten Wochen und Monaten immer größer geworden war. Im März hatten sie zwei wunderschöne Nächte miteinander verbracht, bevor er beruflich nach Dubai hatte reisen müssen. Seither hatte er sich gleich zu anfangs einmal telefonisch gemeldet, ihr dann sage und schreibe fünf Mails geschrieben, die letzte vor xxx Tagen. Sie hatte jeden Tag gehofft, doch aus Wochen war ein Monat, aus den geplanten vier Monaten waren außerdem fünf geworden, ohne dass er ihr dies mitgeteilt hätte.
Keine Nachricht, ist auch eine Nachricht! Auf Hoffnung war schließlich die Ernüchterung gefolgt, dass sie sich wohl zu viel erhofft hatte.
Warum also nun diese Mail? Sie starrte weiterhin regungslos auf das Fenster, dann gab sie sich einen Ruck und öffnete es.
„Hey, Tabea. Ich komme morgen Mittag in Stuttgart an. Flug LH 2148 – 16.10 Uhr. Kannst du mich bitte abholen. Ich freue mich! Till.“
Tabea schnaubte. Sie drückte auf Antworten und tippte ihre Antwort schnell ein: „Ach? Wenn’s um Abholen geht, dann bin ich wieder wichtig? Nimm dir doch ein Taxi. Tabea“
Bevor sie weiter darüber nachdachte, drückte sie den Senden-Button. So ein Depp!
Sie wechselte wieder das Fenster und rief das nächste Fenster auf, doch die Konzentration war weg.
„Plop!“
Wieder schnaubte sie unwirsch und rief die Antwort von Till auf. „Gut, dann werde ich das wohl machen.“
Gut? Mehr nicht? Tabea schluckte.


Tabea eilte in das Ankunftsterminal und verfluchte sich, dass sie so spät losgefahren war. Sie hatte keinen Blick für die Großleinwand auf der das Topthema der letzten Tage ausgestrahlt wurde: Ein amerikanischen Filmteam war monatelang im Jemen festgehalten worden und erst vor drei Tagen bei einem Einsatz einer Spezialeinheit befreit worden. Seither wurde nichts anderes gesendet – aber Tabea bahnte sich ihren Weg durch die Menschenmassen und eilte zum Terminal eins in der Hoffnung, dass Till noch nicht durch die Zollkontrolle gegangen war.